Russischer Oppositioneller Dadin aus Gefängnis freigelassen

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Nach 15 Monaten Haft in einer Strafkolonie in Sibirien ist der russische Oppositionelle Ildar Dadin wieder frei. Der 34-Jährige, der wegen friedlicher Proteste gegen Staatschef Wladimir Putin im Gefängnis saß, wurde am Sonntag aus der Haft entlassen. Dadin war nach eigenen Angaben in der Haft gefoltert und misshandelt worden. Vor vier Tagen hatte Russlands Oberster Gerichtshof seine Freilassung angeordnet.

"Ich werde weiter gegen Putins faschistisches Regime kämpfen", sagte Dadin nach seiner Freilassung dem Fernsehsender Doschd. "Und ich werde dafür kämpfen, dass in Russland die Menschenrechte respektiert werden."

Der Oberste Gerichtshof hatte am Mittwoch entschieden, dass Dadins Strafe aufgehoben und sein Fall zu den Akten gelegt werden soll. Der 34-Jährige habe ein Recht auf "Rehabilitierung", was auch Entschädigungszahlungen einschließe, urteilten die Richter.

Dadin war im Februar 2015 festgenommen und im Dezember 2015 zu drei Jahre Haft verurteilt worden. Später wurde seine Strafe verkürzt. Er hätte noch sechs Monate absitzen müssen.

Dadins Fall hatte in Russland und international seit längerem für Wirbel gesorgt. Der Aktivist war der einzige Häftling in Russland, der wegen der Teilnahme an friedlichen, aber nicht genehmigten Demonstrationen auf der Grundlage eines 2014 beschlossenen Gesetzes im Gefängnis saß. Vor gut zwei Wochen hatte das Verfassungsgericht eine Überprüfung seines Falls angeordnet. Gefängnisstrafen dürfe es nur nach gewaltsamen Protesten geben, kritisierten die Richter.

Dadin verbüßte Teile seiner Strafe in einem Lager in Karelien, wo die Haftbedingungen besonders hart sind. Er klagte über Folter und Misshandlungen in der Haft. Die Strafvollzugsbehörde wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete Dadin als "Simulanten". Menschenrechtsorganisationen forderten mehrfach seine Freilassung, Amnesty International bezeichnete ihn als politischen Gefangenen.

Bei der Urteilsverkündung am Mittwoch war Dadin per Videolink aus seiner Strafkolonie in Sibirien zugeschaltet gewesen. Seine Frau Anastasia Sotowa sagte anschließend dem Sender Doschd, sie könne nun zu ihm nach Barnaul fahren. "Ich habe aber Angst, dass sie ihn jetzt freilassen und am nächsten Tag gleich wieder festnehmen."

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