{"id":10976,"date":"2018-12-03T05:27:46","date_gmt":"2018-12-03T05:27:46","guid":{"rendered":"https:\/\/article20.org\/?p=10976"},"modified":"2018-12-12T05:38:41","modified_gmt":"2018-12-12T05:38:41","slug":"aleksandr-kostenko-rasskazal-o-zverskih-pytkah-v-krymu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/article20.org\/de\/crimea\/aleksandr-kostenko-rasskazal-o-zverskih-pytkah-v-krymu\/","title":{"rendered":"Alexandr Kostenko berichtet \u00fcber brutale Folterungen auf der Krim"},"content":{"rendered":"\u201eMit Stromschl\u00e4gen an den Ohren traktiert, geschlagen, bis mir die Knochen brachen.\u201c\u00a0Alexandr Kostenko berichtet \u00fcber brutale Folterungen auf der Krim.\u00a0Die volle Beweglichkeit seines Armes, der w\u00e4hrend der Folter gebrochen wurde, ist noch nicht wiederherstellt.\u00a0Obwohl er nach der Freilassung aus der russischen Strafkolonie operiert wurde, ist sein Arm nur teilweise beweglich. Das berichtete der ehemalige politische Gefangene Alexandr Kostenko im Gespr\u00e4ch mit der Krim-Menschenrechtsgruppe. Nach seinen Worten wurde sein Arm, der bereits im Februar 2015 gebrochen wurde, w\u00e4hrend seiner Haft so gut wie gar nicht behandelt.<!--more--><\/p>\n<p>Nach der Freilassung aus der russischen Strafkolonie wurde Kostenko in der Ukraine \u00e4rztlich untersucht. Die \u00c4rzte diagnostizierten folgende Traumata: geschlossene Verrenkung des linken Vorderarms, veraltete Fraktur des Kronenfortsatzes mit Knochenverschiebung im Ellenbogengelenk, B\u00e4nderriss, posttraumatische deformierende Arthrosedes linken Arms. Die \u00c4rzte operierten den Arm, um die nach dem Bruch schief verwachsenen Knochen in die richtige Lage zu bringen, und vern\u00e4hten die gerissenen B\u00e4nder. Momentan ist Alexandr Kostenko in der Rehabilitation.<\/p>\n<p>Wegen der gesundheitlichen Probleme findet der junge Mann keine Arbeit. Die vollst\u00e4ndige Wiederherstellung der Armfunktion wird noch mindestens einige Monate in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p>Alexandr erz\u00e4hlte der Krim-Menschenrechtsgruppe von den Umst\u00e4nden, bei denen ihm die Verletzungen zugef\u00fcgt wurden. Er nannte auch die Namen derer, die er dieser Verbrechens verd\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>\u201eAm 5. Februar 2015 hielt ich mich in Simferopol in der Wohnung meiner Eltern auf. Als ich das Haus verlie\u00df, standen zwei M\u00e4nner am Hauseingang. Einer von ihnen trug eine khakifarbene Hose, der andere ein dunkles T-Shirt. Einer schlug mich ins Gesicht, der andere in den Bauch. Dann zerrten sie mich in einen nebenan geparkten Minibus. Antonina, die Nachbarin meiner Eltern, begann zu schreien. Im Bus waren weitere vier M\u00e4nner, alle maskiert. Einer von ihnen zog mir einen Plastiksack \u00fcber den Kopf. Das war Andrej Tischenin, FSB-Major und ehemaliger Mitarbeiter\u00a0 des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU).<\/p>\n<p>Meine H\u00e4nde wurden mit einer Schlinge gefesselt. Ich wurde geschlagen, bekam in dem Plastiksack keine Luft; dann sp\u00fcrte ich, dass mir die Nase gebrochen und ein Ohr verletzt wurde. W\u00e4hrend ich geschlagen wurde, fuhr das Fahrzeug weiter. Einer der Angreifer sagte: \u201eEndlich haben wir dich, Maidan-Aktivist\u201c. Als der Minibus losfuhr, stellte sich einer mit dem Fu\u00df auf meinen R\u00fccken. Ich lag am Boden und k\u00e4mpfte um Luft. Sie sagten, ich soll ihnen alles \u00fcber bevorstehende Sabotageakte und \u00fcber meine Komplizen erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Sie schlugen mich vor allem auf den Kopf und auf die Nieren. Nach ca. 20 Minuten hielt das Auto in einem Waldst\u00fcck, ich glaube es war die Dserschinski-Siedlung im Kreis Simferopol. Ich wurde herausgezerrt und musste mich hinknien, der Plastiksack wurde mir abgenommen. Ich sah B\u00e4ume vor mir, denn ich stand mit dem R\u00fccken zur Stra\u00dfe. Einer der M\u00e4nner hielt mir eine Pistole an den Hinterkopf und sagte, ich soll ihnen \u00fcber Morde an Berkut-Mitarbeitern auf dem Maidan und \u00fcber bevorstehende Sabotageakte hier auf der Krim berichten. Dann schoss er an meinem Ohr vorbei und hielt mir die Pistole wieder an den Hinterkopf. Sie drohten mit meinem Verschwinden, falls ich nicht alles erz\u00e4hle. Dann dr\u00fcckten sie ab, aber die Pistole war nicht mehr geladen. Der Sack wurde mir wieder \u00fcbergezogen. Sie schlugen auf mich ein und stie\u00dfen mich wieder ins Auto.<\/p>\n<p>Um nicht zu ersticken, biss ich ein Loch in den Plastiksack. Dann h\u00f6rte ich einen von ihnen sagen: \u201eLasst uns zum Tataren fahren, zu seinem St\u00fctzpunkt\u201c. Ich glaube, wir fuhren dann wieder in Richtung Sewastopol. Allem Anschein nach brachten sie mich ins Privathaus von Schambasow: Aus dem Haus heraus sah ich ein gro\u00dfes Autobahndreieck und eine Br\u00fccke, die sich h\u00f6chstwahrscheinlich auf der Stra\u00dfe nach Sewastopol befindet. Auf dem Weg dorthin wurde ich immer wieder geschlagen. Einer der Maskierten hatte eine f\u00fcr die Krim untypische russische Aussprache.<\/p>\n<p>Als der Minibus in einer Eigenheimsiedlung ankam, wurde ich in die Eingangshalle eines Hauses gezerrt und musste mich wieder hinknien; dabei wurde ich ununterbrochen geschlagen. Meine H\u00e4nde waren mit einer Plastikschlinge gefesselt. An die kleinen Finger wurden Kabel angelegt, dann wurde Strom angelassen; das merkte ich an dem Schmerz, der meinen ganzen K\u00f6rper durchzog. Dann wurde ich wieder geschlagen und wieder mit Strom traktiert. Das Ganze dauerte ca. 10 bis 15 Minuten. Dann kam ein Mann herein, ich wurde hingesetzt und er begann auf mich einzureden: Meine Aufgabe sei jetzt das \u00dcberleben, deshalb solle ich vor der Kamera alles sagen, was sie h\u00f6ren wollten.<\/p>\n<p>Er wollte, dass ich \u00fcber die Struktur von Sabotagegruppen berichte, die auf der Krim aktiv seien, und \u00fcber Waffenlager. Dann wurde ich in den Keller gebracht, in einen speziell ausgestatteten Raum. Ich glaube, das war derselbe Keller, in dem Jewgenij Panow gefoltert wurde (in dem Video von Panows Folter sind die gleichen W\u00e4nde zu sehen). Der Plastiksack wurde mir vom Kopf genommen, und ich sah die beiden M\u00e4nner, die mich vor dem Haus meiner Eltern festgenommen hatten. Sie waren maskiert und hatten Schlagst\u00f6cke, waren aber genauso angezogen wie bei der Festnahme.<\/p>\n<p>Sie banden Kabel an meine Daumen. Diese waren mit einem Ger\u00e4t verbunden, das einen Schalter hatte und an die Steckdose angeschlossen war. Der Mann mit der khakifarbenen Hose schaltete das Ger\u00e4t ein und ich wurde ca. drei Minuten lang mit Stromschl\u00e4gen traktiert. Dann betrat Artur Schambasow den Raum, ehemaliger SBU-Mitarbeiter, der jetzt f\u00fcr den FSB arbeitet. Er hatte eine Videokamera, war maskiert und schwarz gekleidet. Ich erkannte ihn jedoch an seinen Augen. Als ich bei der Polizei arbeitete, war ich ihm h\u00e4ufig begegnet und kannte ihn gut vom Sehen, ebenso wie Tischenin.<\/p>\n<p>Dann kam Tischenin dazu. Er filmte mich mit der Kamera, Schambasow stellte die Fragen. Sie hatten Informationen \u00fcber die Lage in Kiew. Ich versuchte mich dem Gespr\u00e4ch zu entziehen. Sie waren mit meinen Antworten nicht zufrieden und verlie\u00dfen den Raum. Die beiden Maskierten folterten mich weiter. Nach einiger Zeit kamen Tischenin und Schambasow mit der Kamera wieder. Sie stellten mir Fragen und waren mit den Antworten wieder nicht zufrieden. Schambasow wurde w\u00fctend. Die beiden Maskierten legten mich auf den Boden mit dem Gesicht nach unten und schlugen mich mit den Kn\u00fcppeln.<\/p>\n<p>Schambasow holte eine Art Gartenschere vom Tisch und sagte, er werde mir die Finger abschneiden. Ich ballte die H\u00e4nde zu F\u00e4usten. Schambasow stellte sich mit dem Fu\u00df auf meinen R\u00fccken, l\u00f6ste mir die H\u00e4nde und packte mich mit einer Hand an den Haaren; mit der anderen ergriff er mein linkes Handgelenk und zog meinen Arm ruckartig nach hinten. Unertr\u00e4glicher Schmerz durchfuhr meinen linken Arm. Ich konnte mich vor Schmerz nicht mehr bewegen, hatte einen Schmerzschock. Dann Fragte mich Schambasow, ob ich reden w\u00fcrde. In dem Moment konnte ich mich vor Schmerz nicht einmal bewegen, geschweige denn zu reden. Das machte Schambasow noch w\u00fctender, und er stellte sich mit dem Fu\u00df auf meinen Ellenbogen. Ich konnte den h\u00f6llischen Schmerz nicht mehr ertragen und begann zu schreien. Daf\u00fcr wurde ich wieder geschlagen. Als Schambasow den Raum verlie\u00df, wurde ich wieder hingesetzt, meine H\u00e4nde wurden fest verbunden, und sie traktierten mich wieder mit Strom. Einer der Schl\u00e4ger wollte mir die Ohren mit dem Messer durchstechen, um Kabel durchzuf\u00e4deln. Als er das Messer holte, drehte ich den Kopf hin und her. Mein Gesicht war blut\u00fcberstr\u00f6mt, ich sah nur mit dem linken Auge, das rechte war voller Blut aus der geplatzten Augenbraue. Sie wollten sich nicht schmutzig machen und banden mir die Kabel einfach um die Ohren. Dann machten sie den Strom an. Der Schmerz war unertr\u00e4glich, mir wurde heftig \u00fcbel und schwindlig, ich fiel hin, meine Nase begann zu bluten. Dann kam ein Mann mit einem Holzkoffer, auch er maskiert, wischte mir das Blut aus dem Gesicht und hielt mir Ammoniak unter die Nase, um mich quasi zu Bewusstsein zu bringen.Dann ging er wieder hinaus und alles begann von vorn.<\/p>\n<p>Danach wurde ich hingesetzt, die H\u00e4nde wurden mir vorne gefesselt, Schambasow und Tuschenin gingen hinaus. Sie banden mir wieder Kabel an die Finger und traktierten mich mit Stromschl\u00e4gen. Der Schmerz war sehr stark, jeder Stromschlag strahlte in den gebrochenen Arm.<\/p>\n<p>Dann h\u00f6rten sie auf, weil sie von Schambasow gerufen wurden. Ich h\u00f6rte ihn sagen: \u201eMacht mal Schluss, wir haben sowieso genug Belastungsmaterial, wir k\u00f6nnen ihn auch so wegsperren\u201c.<\/p>\n<p>Sie legten mir Handschellen an und schleppten mich \u00fcber eine Wendeltreppe in einen Raum mit Fenster, von dort sah ich drau\u00dfen die gro\u00dfe Br\u00fccke. Sie hingen mich mit den Handschellen am oberen Riegelverschluss der T\u00fcr auf. Gegen\u00fcber war die T\u00fcr zu einem Raum, dort tranken sie dann Tee. So hing ich bis zum Sonnenaufgang und sah die Eigenheimsiedlung drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Als es hell wurde, kamen die Schl\u00e4ger wieder und erkl\u00e4rten, sie w\u00fcrden mich jetzt zum Ermittlungsausschuss bringen, damit ich dort Papiere unterschreibe. Schambasow sagte, dass ich bei schlechtem Verhalten wieder in den Keller kommen und dann wohl kaum \u00fcberleben w\u00fcrde. Ich hing immer noch an der T\u00fcr. Neben mir stand ein Beistellschrank, daneben lag ein Ziegelstein. Sie standen links von mir, und als ich darum bat, meine Eltern von meiner Festnahme in Kenntnis zu setzen, nahm einer von ihnen den Ziegelstein und schlug mich damit auf die Schl\u00e4fe. Es war der Mann mit khakifarbener Hose und russischem Akzent. Er sagte, dass ich hier keine Fragen stellen k\u00f6nne und dass er mich nicht f\u00fcr einen Menschen hielte. Dann zogen sie mir den Sack \u00fcber den Kopf, fesselten mir die H\u00e4nde hinter dem R\u00fccken und zerrten mich in den Minibus. Schambasow sagte, sie w\u00fcrden mich jetzt zum Ermittlungsausschuss fahren, aber erst m\u00fcssten sie mich auf die Stra\u00dfe lassen und beim Laufen filmen, dann w\u00fcrden sie mit dem Minibus kommen und mich quasi festnehmen.<\/p>\n<p>Ich glaube, ich wurde auf der Stra\u00dfe rausgelassen, in der sich die Staatsanwaltschaft des Bezirks Kiewskij befindet, obwohl ich nur den Zaun sehen konnte. Beim Laufen hielt ich mich an diesem Zaun fest, denn nach der Folter konnte ich nur schwer laufen. Dann packten sie mich, legten mir Handschellen an, filmten das Ganze und brachten mich zum Ermittlungsausschuss. Sie f\u00fchrten mich in einen Raum im ersten Stock. Dort war Ermittler Odartschenko. Er hatte sich nicht vorgestellt, aber sp\u00e4ter erfuhr ich seinen Namen aus den Akten. Er sagte, ein Anwalt w\u00fcrde gleich kommen, und wenn ich nicht alle Papiere unterschreiben w\u00fcrde, w\u00fcrde meine Familie daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Sie druckten die Papiere aus, und dann kam Pflichtverteidigerin Polujanowa. Die beiden Schl\u00e4ger waren mit im Raum, sie schlugen mich im Beisein der Anw\u00e4ltin, mein Gesicht war blut\u00fcberstr\u00f6mt. Ich verweigerte die Unterschrift. Die Anw\u00e4ltin sagte, ich solle die Papiere unterschreiben bevor sie geht, denn sonnst k\u00f6nne sie mir nicht mehr helfen. Sie drohten mir damit, dass mein Kind im Waisenheim aufwachsen w\u00fcrde. Sollte ich jedoch alles unterschreiben, w\u00fcrden sie meinen Eltern meinen Aufenthaltsort mitteilen. Ich fragte die Anw\u00e4ltin, nach welchem Paragrafen ich belangt werde. Sie sagte: Strafgesetzbuch der Russischen F\u00f6deration, Paragraph 115, Teil eins. Ich unterschrieb alles, ohne zu lesen. Auf diesem Protokoll sind Spuren von meinem Blut, das mir vom Gesicht hinunterlief.<\/p>\n<p>Erst danach riefen sie meinen Vater an und teilten ihm mit, dass ich festgenommen wurde. Der Ermittler holte FSB-Beamte dazu. Es waren die ehemaligen SBU-Mitarbeiter Aleksandr Kulabuchow und Wladimir Schewtschenko, die ich von fr\u00fcher kannte. Sie brachten mich auf die Unfallstation. Dort dr\u00e4ngten sie die \u00c4rzte zur Eile, obwohl diese sagten, dass eine Operation und eine Untersuchung notwendig seien. Letztlich machte mir der Arzt einen Gipsverband und sagte, dieser m\u00fcsse in drei Wochen abgenommen werden, was jedoch nicht geschah.<\/p>\n<p>Am sechsten Februar 2016 kam ich ins Polizeigewahrsam und am neunten ins Untersuchungsgef\u00e4ngnis Nr. 1. Dort kam ich in die \u201ePresskammer\u201c, eine Zelle, in der ich von Mitinsassen zusammengeschlagen wurde. In dieser Zelle nannte man mich \u201eStrafbrigadist\u201c, weil ich an den Maidan-Protesten teilgenommen hatte. Dann wurde ich in eine andere Zelle verlegt. Einige meiner damaligen Mitinsassen k\u00f6nnen bezeugen, dass ich schwere Misshandlungsspuren aufwies. Mein ganzer K\u00f6rper war blau angelaufen, das Gesicht war zerschlagen, auf meinem R\u00fccken waren Fu\u00dfabdr\u00fccke. Der Gips wurde nicht rechtzeitig abgenommen und der Arm lief unter dem Verband blau an. Drei Monate sp\u00e4ter, Anfang Mai, wurde der Gips auf meine Bitte hin von meinen Mitinsassen im Untersuchungsgef\u00e4ngnis abgenommen.<\/p>\n<p>Nach der Verurteilung wurde ich am 22. Mai 2015 pl\u00f6tzlich ins st\u00e4dtische Krankenhaus Nr. 6 in Simferopol gebracht und umgehend operiert. 27 Sicherheitsbeamte umstellten das Krankenhaus, darunter 22 Beamte des F\u00f6deralen Bewachungsdienstes (FSO) und 5 Mitarbeiter der F\u00f6deralen Verwaltung f\u00fcr den Strafvollzug. Ich wurde in Hand- und Fu\u00dfschellen gelegt und von einer bewaffneten Wachmannschaft durch das ganze Krankenhaus gef\u00fchrt. Chirurg Fedulitschew f\u00fchrte die Operation durch. Die Operation wurde von zwei FSO-Mitarbeitern gefilmt.<\/p>\n<p>Sofort nach der Operation \u2013 ich war noch bet\u00e4ubt \u2013 brachte man mich wieder ins Untersuchungsgef\u00e4ngnis. Dort kam ich in eine Zelle der Sanit\u00e4tsabteilung. Die Zellen dort unterscheiden sich dadurch, dass die Betten einst\u00f6ckig sind. In der Zelle waren zwei weitere Personen untergebracht. Als die Narkose nachlie\u00df, bekam ich starke Schmerzen. Der Arm blutete unter dem Gipsverband, weil ein Stahldraht in den Arm eingesetzt wurde. Nach drei Stunden h\u00e4tte ich eine Bet\u00e4ubungsspritze bekommen sollen, was jedoch erst am n\u00e4chsten Tag geschah. All diese Zeit hatte ich schreckliche Schmerzen. Ich hatte heftige \u00dcbelkeit, musste mich immer wieder \u00fcbergeben, litt an Atemnot.<\/p>\n<p>Am 5. Oktober verlie\u00df ich das Untersuchungsgef\u00e4ngnis in Simferopol und wurde in die Strafkolonie Nr. 5 in der russischen Stadt Kirowo-Tschepezk\u00a0verlegt. Die Fahrt dorthin dauerte 18 Tage. In der Strafkolonie wurde ich praktisch nicht behandelt, obwohl mein Arm fast v\u00f6llig unbeweglich war. Ich konnte mich nicht normal waschen oder anziehen, konnte mir mit der betroffenen Hand nicht einmal an die Nase fassen.<\/p>\n<p>Der Arzt in der Strafkolonie erteilte mir keine Arbeitsfreistellung. Und so musste ich Schnee r\u00e4umen und mit einer Eisenstange Eis aufbrechen, obwohl ich die ganze Zeit h\u00f6llische Schmerzen hatte.\u201c<\/p>\n<p>So der Bericht von\u00a0Alexandr Kostenko.<\/p>\n<p>Zur Zeit befindet sich Alexandr in der Reha und hofft, dass er die Beweglichkeit seines Arms ohne zus\u00e4tzliche Operation und ohne Prothese wiederherstellen kann.<\/p>\n<p>Er wandte sich an das Ministerium f\u00fcr vor\u00fcbergehend besetzte Gebiete und Binnenvertriebene mit einem Antrag auf Hilfsleistungen f\u00fcr Opfer von illegalem Freiheitsentzug durch russische Beh\u00f6rden in den besetzten Gebieten. Gem\u00e4\u00df Regierungsbeschluss Nr. 328 vom 18. April 2018 sowie gem\u00e4\u00df der Verordnung Nr. 106 des Ministeriums f\u00fcr vor\u00fcbergehend besetzte Gebiete und Binnenvertriebene vom 18. Oktober 2018 hat Alexandr Anspruch auf solche Hilfsleistungen, denn er wurde Opfer von illegaler, politisch motivierter Strafverfolgung auf der besetzten Krim. Das politische Motiv f\u00fcr die Einleitung des fingierten Strafverfahrens durch die Besatzungsmacht findet sich in Alexandrs Gerichtsurteil, das er seinem Antrag an das Ministerium beif\u00fcgte. Daraus geht hervor, dass er im Grunde genommen verfolgt und verurteilt wurde, weil er auf der Seite der Protestierenden an den Maidan-Protesten teilgenommen hatte. Au\u00dferdem nutzte die ehemalige \u201eGeneralstaatsanw\u00e4ltin\u201c der Krim Natalja Poklonskaja seinen Fall f\u00fcr ihre politische Kampagne im Vorfeld der Duma-Wahl, bei der sie zur Abgeordneten der 7. Staatsduma der Russischen F\u00f6deration gew\u00e4hlt wurde.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMit Stromschl\u00e4gen an den Ohren traktiert, geschlagen, bis mir die Knochen brachen.\u201c\u00a0Alexandr Kostenko berichtet \u00fcber brutale Folterungen auf der Krim.\u00a0Die volle Beweglichkeit seines Armes, der w\u00e4hrend der Folter gebrochen wurde, ist noch nicht wiederherstellt.\u00a0Obwohl er nach der Freilassung aus der russischen Strafkolonie operiert wurde, ist sein Arm nur teilweise beweglich. 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