Russland: Razzia in Moskau — Schikanen gegen indigene Menschenrechtler

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Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist in Sorge um die Sicherheit indigener Menschenrechtler und Umweltschützer sowie ihrer Familien in Russland. „Indigene Aktivisten sind zunehmend Schikanen der Sicherheitskräfte ausgesetzt, offenbar um ihre Initiativen zur Wahrung der Rechte der kleinen Völker zu unterbinden so wie jetzt am vergangenen Wochenende“, kritisierte die GfbV-Referentin für Osteuropa, Sarah Reinke, am Montag in Berlin.

Am frühen Sonntagmorgen wurde in Moskau die Wohnung des Leiters des „Zentrums zur Unterstützung der indigenen Völker des Nordens“, Rodion Suljandziga, von Polizisten durchsucht. Suljandziga, der an dem Tag eine Konferenz der 143 kleinen Völker des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens eröffnen sollte, wurde zu Befragungen auf die Wache der Bezirkspolizei Konkovo in der russischen Hauptstadt mitgenommen. Die Polizei behielt seinen Computer ein. Suljandziga ist einer der wenigen Repräsentanten indigener Völker in der Russischen Föderation, der sich auch international für ihre Rechte engagiert.

„Viele Konferenzteilnehmer haben jetzt große Angst vor Schikanen, sobald sie in ihre Heimatregionen zurückkehren“, beschrieb Reinke die Verunsicherung, die polizeiliche Willkür gegen einzelne indigene Menschenrechtler in der ganzen Gruppe erzeugt. „Mehrere Delegierte wurden vor ihrer Reise nach Moskau aufgefordert, „Beobachter“ der regierungstreuen Organisation „Raipon“ mit einzuladen, und hatten dies verweigert. Jetzt befürchten sie, dafür bestraft zu werden.“

Suljandzigas „Zentrum zur Unterstützung der indigenen Völker des Nordens“ bietet Trainings für junge indigene Aktivisten zum Aufbau von Organisation und Bildung. Er wird nach GfbV-Angaben seit Jahren verfolgt. So wurde 2014 sein Reisepass vom russischen Geheimdienst FSB eingezogen, als er zur UN-Konferenz für indigene Völker nach New York reisen wollte, die er maßgeblich mit vorbereitet hatte.

Die Rechte der indigenen Völker in Russland werden mit Füßen getreten, vor allem in den Regionen mit wichtigen Rohstoffvorkommen wie Erdöl. Die Menschen dort leiden unter Krankheiten, Arbeitslosigkeit und der dauerhaften Zerstörung der Natur, in und von der sie leben. Ihre Lebenserwartung liegt über zehn Jahre unter dem russischen Durchschnitt. „Wenn nun auch noch die wenigen verbliebenen führenden Repräsentanten ihrer Völker verfolgt und praktisch aus dem Land gejagt werden, dann verlieren sie ihre letzte auch international hörbare Stimme und werden schweigend der Willkür von Regierung und Wirtschaft überlassen“, warnt Reinke.

gfbv.de

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