“Du rettest niemanden” — Erzählung von Ildar Dadin über das, was ihm im Straflager Nr. 7 widerfahren ist

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Am 9. November durfte Anastasia Zotova, die Ehefrau von Ildar Dadin, der über Folter im karelischen Straflager Nr. 7 berichtet hatte, ihren Mann besuchen. In diesen ganzen vier Stunden erzählte Dadin höchst genau über das, was ihm seit seiner Ankunft im Straflager Nr. 7 widerfahren ist. Und darüber, was passiert ist, nachdem Meduza am 1. November seinen Brief veröffentlicht hatte. Die Erzählung Dadins, die Anastasia Zotova aufgeschrieben hat, werden von “Meduza” mit unwesentlichen Kürzungen veröffentlicht.

Das ist keine Besserungseinrichtung, das ist ein Konzentrationslager. Die Menschen werden hier nicht festgehalten um sich zu bessern, sondern um sie zu misshandeln. Ich bitte darum, in meinem Namen dem Ermittlungskomitee eine Anzeige zu schicken wegen der Anwendung eines ganzen Komplexes von Folter gegen die Inhaftierten. Schläge und Folter hören nicht einmal jetzt auf, nachdem sich [die Menschenrechtsbeauftragte] Tatjana Moskalkova eingemischt hat und die Mitglieder des Menschenrechtsrates Pavel Chikov und Igor Kaljapin gekommen sind.

Ich höre, wie Menschen geschlagen werden; ich höre, wie sie schreien. Ich weiß, dass Folter durch Kälte und Hunger andauert und kann selbst keine Beschwerden darüber schreiben. Ich bin bereit, die genauen Daten zu nennen, aber in einem persönlichen Gespräch mit Menschenrechtlern, weil ich Angst habe, dass die Mitarbeiter das erfahren und diese Videoaufzeichnungen auch löschen (Pavel Chikov hatte erzählt, dass die Aufzeichnung des Zusammenschlagens von Dadin gelöscht sein könnte, da die Daten nur 30 Tage aufbewahrt werden und sich der Vorfall im September ereignete - Anm. “Meduza”). Ich weiß, dass sie die Tage Videoaufzeichnungen von der Festplatte gelöscht haben, und bitte darum, die Videoaufzeichnungen aus allen Zellen anzufordern, die es überhaupt gibt. Solange noch etwas erhalten ist. Meine Worte zu überprüfen wird leicht sein, denn praktisch täglich wird hier jemand zusammengeschlagen.

Ich bitte darum, beim Ermittlungskomitee Anzeige zu erstatten, weil ich das selbst nicht kann: Nach der Tagesaufteilung darf nur in der privaten Zeit etwas geschrieben werden (Briefe oder Beschwerden), für die eine halbe Stunde vorgesehen ist. Die übrige Zeit ist Arbeit, z.B. das Aufräumen der Zelle. Wenn du aber in einer halben Stunde aufgeräumt hast, darfst du nicht nichts tun. Feg’ den Boden das zweite, dritte Mal. Wenn sie sehen, dass du nicht arbeitest, wirst du in den Straf-Isolator geschickt. Das erinnert mich an eine Geschichte, die ich über die Nazi-Konzentrationslager gelesen habe: Als die Inhaftierten zu sinnloser Arbeit gezwungen wurden, zum Beispiel Ziegelsteine von einem Ort an den anderen zu schleppen.

Und die private Zeit geht fast vollständig dafür drauf, von der Zelle zur Kammer zu gehen, weil du keine privaten Sachen bei dir hast, nicht einmal Essen - alles ist auf der Kammer. Wenn du ankommst, bleiben fünf Minuten und dann verstehst du, dass du keine Beschwerde schreibst, versuchst zu essen, weil du hier den ganzen Tag von einem Stückchen Wurst und einem Stückchen Brot träumst. Genau wie in Aleksandr Solshenizins Erzählung “Ein Tag im Leben des Ivan Denisovitch”. Du träumst nachts von Essen. Und wenn du dir einen Langzeitbesuch vorstellst, denkst du nicht daran, dass du deine Frau oder Schwester umarmen kannst. Sondern daran, dass sie Essen mitbringen. Ich denke, dass die Mitarbeiter der Strafvollstreckungsbehörde unsere “private Zeit” verkürzen, indem sie ausnutzen, dass wir keine Armbanduhren haben und sie nicht überprüfen können.

Das Furchtbarste fängt für einen Menschen an, wenn er gerade im Straflager Nr. 7 ankommt. Er wird in die “Etappe” gesteckt. Die Mitarbeiter der Strafvollstreckungsbehörde versicherten mir erst, dass das eine Sonderzelle für neu Angekommene ist, eine Art Quarantäne. Aber tatsächlich ist das einfach eine Zelle im Straf-Isolator. Ich habe erfahren, dass das der Straf-Isolator ist, als ich gezwungen wurde, das Protokoll über meine Unterbringung im dort zu unterschreiben. Für irgendwelche angeblich gefundenen Rasierklingen.(Diese Klingen werden bei allen Ankommenden “gefunden” - versucht die Unterlagen über Unterbringungen von Neuankömmlingen im Straf-Isolator anzufragen!)

Danach wurde ich noch ein paar Mal in diese “Etappe” gesteckt. Insgesamt habe ich dort 45 Tage verbracht und das waren 45 Tage der Hölle. In dieser Zelle gibt es keine Wärmeisolierung. Wenn es draußen Minus zehn Grad ist, ist es das auch in der Zelle. Dabei erhältst du nur ein Gefängisgewand, alle persönlichen Sachen werden weggenommen, du kannst dich nicht wärmen. Nachts habe ich unter der Decke gelegen mit Schüttelfrost von der Kälte und habe nur daran gedacht, wenigstens eine Woche auszuhalten. Ich habe von Essen geträumt. In den ersten Tagen habe ich einen Hungerstreik erklärt; dann wurde ich gezwungen, ihn aufzugeben. Sie haben mich aber nicht ausreichend ernährt. Aus dem Untersuchungsgefängnis hatte ich Essensrationen, die den Vorgaben der internen Regelung entsprechen, aber sie haben sie mir weggenommen. Ich habe mich an einiges erinnert, versucht zu vergleichen - demnach sind die Rationen in etwa halbiert. Folter durch Kälte und Hunger kann man einen oder zwei Tage aushalten, aber wenn das andauert und du nicht weißt, wann es endet - das ist unerträglich. Ich habe so auf Hilfe gewartet, weil ich darum gebeten hatte, meiner Frau oder Mutter einen Brief zu meinem Aufenthaltsort zu schicken (laut Gesetz sind sie dazu verpflichtet). Aber an die Adresse meiner Frau wurde nichts geschickt, weil ich sie nicht auswendig wusste, und im Heft nachschauen ließen sie mich nicht: “Wenn du dich nicht erinnerst - uns ist es sch*egal”. Ich habe die Adresse meiner Mutter hinterlegt, aber sie hat anscheinend auch keinen Brief erhalten.

Am 11. September versuchten sie zum ersten Mal, mich “ins Strecken zu stellen” während einer Kontrolle. Nachdem ich am 10. September meinen Hungerstreik erklärt hatte (aus Protest gegen die Unterbringung im Straf-Isolator]. “Strecken”, das ist, wenn du zwei Schritte vor der Wand stehst, gegen die du deine Handrücken legst. Das Gesicht gesenkt, die Beine maximal weit auseinander. Dabei gibt kein Gesetz, keine Verordnung genau diese Haltung vor, das habe ich geprüft. Wenn der Inhaftierte “in der Streckung steht”, kann er leicht geschlagen werden. Sie schlagen auf den Kopf: auf den Hinterkopf, die Schläfen, die Schädeldecke. Aber nicht mit Fäusten, sondern mit den Handflächen, damit keine Spuren bleiben. Sie treten mit den Füßen, aber nicht mit den Spitzen, sondern mit der flachen Sohle. Gegen den Rumpf, die Beine, die Innenseite der Hüfte, wo die Leiste ist. Wenn du dich mit den Armen decken willst, bekommst du auch auf die Arme. Ich hatte lange am Ellbogen ein Hämatom von einem Schlag, er ist einen Monat verheilt. An der Leiste hatte ich auch Hämatome. Sie schlagen, bis du umfällst. Wenn du aufstehst, schlagen sie dich wieder, bis du dem zustimmst, was sie sagen. Sie sagen dir etwa: “Du bist ein Nichts, ein Päderast” und du musst antworten “Ich bin ein Nichts, ein Päderast”. Ich wurde gezwungen zu sagen “Putin ist unser Präsident”, weil ich ein Oppositioneller bin. Dabei kannst du die Gesichter derer, die dich schlagen, nicht sehen, weil du mit dem Rücken zu ihnen stehst. Und sie stellen sich natürlich nicht vor - sie schlagen anonym und im Gefühl vollständiger Straflosigkeit. Einmal hielt ich es nicht aus und fing an zu schreien. Eine Sanitäterin kam vorbei und sagte “Hört schon auf zu schlagen”. Ich habe nach ihrem Namen gefragt, um sie später als Zeugin benennen zu können, aber sie hat ihn nicht gesagt. Und die Folter nicht ins Register aufgenommen.

Bei der automatischen Videoaufzeichnung versuchen die Mitarbeiter der Strafvollstreckungsbehörde höflich zu sprechen. Als ich etwa im Lager ankam, habe ich mich beschwert, dass beim Transport ein Teil meiner persönlichen Sachen verloren gegangen ist. Bei der Aufzeichnung haben sie gesagt: “Alles ist in Ordnung, ihre Sachen sind hier angekommen”. Aber tatsächlich sind sie nicht angekommen, ich habe sie nicht gesehen. Es sind z.B. die Einwegrasierer weg. Ich habe welche von hier bekommen, aber die rasieren überhaupt nicht, sondern reißen die Haare eher aus. Der Mitarbeiter der Strafvollstreckungsbehörde, der zuschaut, wie du dich zu rasieren versuchst, sagt: “Los, rasier’ dich besser, sonst stecken wir dich in den Straf-Isolator. Die Banja, wohin sie einen ein Mal die Woche führen, wäre der einzige Ort, an dem man sich aufwärmen könnte. Aber die Mitarbeiter schalten extra das heiße Wasser ab und wenn du sagst, dass das Wasser kalt ist, antworten sie: “Nein, es ist heiß”. Und du musst dich unter einer eiskalten Dusche waschen. Als sie mit dem Schlagen angefangen haben, habe ich ihnen die Verfassung zitiert, Artikel 21.2: “Niemand darf Folter, Gewalt oder einer anderen grausamen oder menschenunwürdigen Behandlung unterworfen werden.” Worauf sie mir in vollkommenem Ernst erwiderten: “Du hast nicht verstanden, an was für einen Ort du geraten bist. Hier gilt die Verfassung nicht”. Dabei gilt sie laut Artikel 15.1 der Verfassung auf dem gesamten Gebiet der Russischen Föderation und ich verstehe nicht: Haben sie im Lager Nr. 7 beschlossen, einen verfassungsfeindlichen Umsturz zu veranstalten? Haben sie sich schon vom Gebiet der Russischen Föderation abgespalten?

Am 12. September kamen die Mitarbeiter der Strafvollstreckungsbehörde wieder zu mir und sagten, ich solle zur Kontrolle aus der Zelle kommen. Ich verstand, dass sie mich jetzt wieder schlagen werden und sagte: “Was macht es für einen Unterschied, wo Sie mich schlagen - in der Zelle oder im Korridor?” Da schalteten sie die Videoaufzeichnung ein und machten alles “nach den Regeln”: sie sagten, sie würden Gewalt anwenden, eilten zu mir, begannen die Hände auf den Rücken zu drehen. Dabei verwendeten sie dennoch rechtswidrig Handschellen, denn ich habe mich nicht gewehrt und welchen Sinn machten Handschellen? Ich habe extra die Hände verschränkt, damit mir niemand Widerstand vorwerfen kann.

Beim ersten Mal gelang es den Mitarbeitern nicht, ein schönes Video zu drehen, auf dem alles “gesetzmäßig” ist. Sie ließen mich los, gingen vor die Tür und begannen erneut. Sie öffnen die Tür, bitten, aus der Zelle zu gehen, ich antwortet ihnen identisch, sie warnen vor Gewaltanwendung und stürzen sich auf mich. Alles so zu filmen, wie es “gesetzmäßig” ist, gelang ihnen erst bei der dritten Aufnahme. Die Mitarbeiter schrieen auf dem Video, ich würde sie an der Kleidung packen, aber das ist die Unwahrheit, das muss auf dem Video zu erkennen sein. Und es muss zu hören sein, dass ich mich weigere aus der Zelle zu kommen, weil ich sage: “Es ist mir egal, wo Sie mich schlagen werden.” Ich bin froh, dass ein Teil dieses Videos in die russischen Medien gekommen ist; jetzt kann die Strafvollstreckungsbehörde nicht sagen, es sei gelöscht. Und wenn das ganze Video angefragt wird, muss zu sehen sein, dass sie mich aus der Zelle zerren und schlagen. Ich kenne die Namen der Beteiligten nicht, nur ihre Dienstgrade: Ein Major, ein Obergefreiter und noch ein Oberleutnant. Als sie mich zusammenschlugen, bekam ich eine Mütze mit Ohrenklappen wie einen Sack über den Kopf, um meine Augen zu bedecken. Ich dachte, dass sie mich jetzt erschlagen - und all’ das wird enden und ich lächelte. Das machte sie noch wütender, einer sagte: “Schaut, der lächelt noch”. Sie begannen noch stärker zu schlagen und forderten dass ich mich bei Sergej Kossiev [dem Leiter des Straflagers Nr. 7] entschuldige. Danach zwangen sie mich auf die Knie und begannen in erniedrigender Absicht Fragmente aus einem Brief an meine Ehefrau zu zitieren. Darüber, dass ich nur vor der geliebten Frau bereit bin, auf die Knie zu gehen. Sie beleidigten mich.

Dann zogen sie mir die Hose herunter und trugen mich mit hängender Hose und der Mütze auf dem Kopf irgendwo hin. Durch einen engen Spalt zwischen Mütze und Kopf sah ich, dass ich in den Lagerhof für Spaziergänge getragen wurde. Vier Menschen hoben meine Hände an, die schon mit Handschellen gefesselt waren, und befestigten sie irgendwo. Aber ich konnte auf die Beine kommen. Da sagte einer: “Nein, das geht so nicht” und sie machten mich los und fixierten mich höher, so dass ich nicht mehr stehen konnte. Es tat fürchterlich weh und ich merkte, dass Tränen, Rotz, Sabber liefen. Und bemühte mich aus aller Kraft, nicht zu schreien. 

Sie zogen mir die Unterhose runter und einer sagte: “Jetzt wirst du vergewaltigt, ruft…” entweder Venja oder Benja. Ein anderer wurde wütend, weil Namen gefallen waren. Der Erste antwortete:”Was macht das für einen Unterschied? Er sieht sowieso nichts.” Jemand ging diesen Venja holen. Ein paar Minuten später sagten sie mir, es gebe eine letzte Chance, der Vergewaltigung zu entgehen - wenn ich einwillige, meinen Hungerstreik aufzugeben. Ich willigte ein, sie aber sagten, dass ich noch eine Weile hängen müsse und sie mich erst runterholten, wenn ein Anruf von der Verwaltung käme.

Schon nach einer halben Stunde wollte ich schreien, aber ich verstand, dass ich nichts sagen konnte. Der Atem reichte nicht zum Ein- und Ausatmen. Ich konnte nur schnell und nervös atmen. Dann wurde ich endlich runtergeholt, die Mitarbeiter verkündeten ihre Forderungen: Ich muss alle ihre Forderungen erfüllen, den Hungerstreik beenden, mich bei Kossiev entschuldigen. Zuerst machten sie eine Hand los, sie hing runter wie eine Peitsche. Danach die zweite - genau dasselbe. Jemand fing an zu lachen, dass ich jetzt fallen würde. Aber ich fiel nicht, ich konnte nur den Rücken nicht gerade machen. All das nahmen sie auf Video auf, vielleicht zeigten sie es Kossiev.

Ich wusste damals noch nicht, was sich hinter Kossiev Initialen “S.L.” verbirgt - und nannte ihn für mich “Sadist des Lagers”. All die Folter, all die Schläge hier geschehen mit seinem Wissen. Als ich nach dem Aufhängen mit ihm sprach, sagte er: “Ja, hier schlagen wir die Inhaftierten”. Als wäre das sein Recht. Und er sagte: “Du bist noch nicht stark geschlagen worden. Wenn ich es befehle, wirst du stärker geschlagen werden”. Ich sagte, dass ich einen trockenen Hungerstreik erkläre, bis ein Staatsanwalt hierher kommt. Kossiev aber lachte nur und antwortete, dass - wenn ich mich beschweren würde - ich hier erschlagen und vergraben würde. Ich verstand, dass er keine Angst vor Überprüfungen und Staatsanwälten hat.

Es gibt Überprüfungen im Straflager, aber die sind sehr seltsam. Du wirst gezwungen, auf den Boden zu schauen und du siehst nur die Schuhe der Kontrolleure. Wer genau gekommen ist - von der Strafvollstreckungsbehörde, von der Menschenrechtsbeauftragten oder eine staatsanwaltliche Kontrolle - wird nicht gesagt. Diejenigen, die zusammengeschlagen wurden und die Hämatome haben, werden im Straf-Isolator versteckt. Und wenn du mit jemandem sprichst, dann tust du das in Anwesenheit der Mitarbeiter der Strafvollstreckungsbehörde, die dich gefoltert haben. Und was machst du? Wirst du dich in ihrer Anwesenheit beschweren? Sie werden sich erinnern und dich noch stärker schlagen. Deswegen macht es nur Sinn, mit den Inhaftierten einzeln zu sprechen. .

Als ich dem Anwalt Aleksej Liptser von den Geschehnissen erzählte, habee ich befürchtet, dass du diesen Brief nicht veröffentlichst aus Angst um mich. Aber am 1. November [Anm. d.Übers.: dem Veröffentlichungsdatum des Briefes] verstand ich, dass du es getan hast und dass du es richtig getan hast. Die Mitarbeiter der Strafvollstreckungsbehörde wurden nervös. Ich wurde in die Krankenstation gebracht; allerdings sagte man mir nicht, wohin und warum. Dort wurde ich nackt ausgezogen und es begann eine Videoaufnahme. Was passierte, wurde mir nicht erklärt. Ich wurde in den Straf-Isolator gebracht, allerdings nicht in den normalen, sondern in die Zelle “für Gefährliche”. Ich sitze dort mit einem anderen Menschen, der eigentlich verrückt ist. Bis zu dem, dass er seine Exkremente an der Wand verschmiert. Vor kurzem wurde er weggebracht, wahrscheinlich in den Straf-Isolator.

Moskauer Ermittler kamen am 2. November, dann erneut am 3.. Ich habe mich beschwert, dass ich mit einem Geisteskranken sitze, im Lager hatten man ihnen gesagt: “Das ist zu seiner Sicherheit”. Danach sprach ich mit einem Vertreter der örtlichen Beobachterkommission und es entstand der Eindruck, dass ihr Vorsitzender eng mit den hiesigen Mitarbeitern der Strafvollstreckungsbehörde befreundet ist. Dennoch habe ich ihnen alles erzählt. Dass ich bei dem Gespräch mit ihnen einen Anfall hatte (während des Treffens mit der karelischen Beobachterkommission wurde es Dadin schlecht, er wurde ins Krankenhaus gebracht. - Anm. “Meduza”), habe ich nicht verstanden. Als ich sprach, fühlte ich, dass ich schwanke und konnte damit nicht aufhören, mein Körper gehorchte mir nicht. Dann setzte in irgendeinem Moment die Atmung aus, ich konnte weder ein- noch ausatmen und verstand, dass ich in Dunkelheit verschwinde. Von Zuckungen und Schaum hat mir niemand erzählt. Ich habe nur durch den Nebel gefühlt, dass mich jemand trägt, auszieht. Danach habe ich eine Spritze in die Pobacke gespürt, Und die Zähne haben weh getan - wahrscheinlich wurden sie gespreizt, um die Zunge heraus zu ziehen.

Am nächsten Tag wurde ich irgendwohin gebracht, ohne dass sie mir sagten, wohin. Ich habe durch das Fenster des Gefangenentransporters gesehen, dass es dort einen schönen See gab. Es wurde eine Aufnahme meines Kopfes gemacht, danach wurde ich zurück gebracht. Ergebnisse wurden mir keine gezeigt. Hätte ich gewusst, dass sie mich ins Krankenhaus bringen, dann hätte ich besser um eine Untersuchung des Herzens gebeten. Denn in der letzten Zeit habe ich Schmerzen in der Brust.

Ich selbst werde jetzt nicht geschlagen, aber ich werde verhöhnt: Zum Beispiel: “Hat es sich gelohnt, sich zu beschweren? Du hast nichts erreicht, dich nur der ganzen Welt als ein Vergewaltigungsopfer präsentiert. Und du wirst niemanden retten”. Weiter sagen sie: “Du bist ein Politischer, jetzt kommst du vor dem Ende der Haft nicht mehr aus dem Straf-Isolator raus”.

Die Leitung des Straflagers Nr. 7 hat seit dem 1. November keinen Kommentar zu den Verlautbarungen von Ildar Dadin abgegeben.

Übersetzung - Martina Steis

Quelle: Meduza

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